1. Oktober 2021 – Weltmusiktag

Lasst uns die Kraft der wiedergeborenen Sonne segnen. Lasst uns mit dem ganzen Universum seine Rückkehr feiern. Von Glanz gekrönt, erhebt es sich, es schwebt. Das Erwachen der Erde ist eine Hymne der Liebe. Sieben rauschende Rosse, die der Gott kaum zurückhält. Entzünde den Horizont mit ihrem sengenden Atem. Oh, strahlende Sonne, du erscheinst! Mit seinen blühenden Feldern, seinen Bergen, seinen dichten Wäldern, Das weite Meer wird von deinen Feuern entzündet, Das Universum, jünger und frischer, Am Morgen glitzern die Dünste vor Tau.
– Casimir Delavigne (1793 – 1843) – „Hymne an die Sonne“

Lili Boulanger (1893-1918) ist die Komponistin dieser wundervollen Hymne, die uns den „Weltmusiktag 2021“ auf sehr innige Weise in unser Gewahrsein zu bringen vermag. Denn unser Universum wurde aus klingender, lebendiger Harmonie gewoben. …so hat die Musik, die wir täglich hören und konsumieren auch einen weitaus mächtigeren Einfluss auf unser gesamtes irdisches Leben, auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, als uns gemeinhin täglich bewusst ist.

Der große Schweizer Musikpädagoge Edgar Willems beantwortete bei einem Fernsehinterview die Frage, was Musik sei (wobei man ihm für die Beantwortung drei Minuten zubilligte): „Musik ist die Sprache der menschlichen Seele.“ Mehr, aber auch nicht weniger, gab es für ihn zur Musik zu sagen. Wenn man davon ausgeht, dass jegliche Äußerung des Menschen, so sie mit der Lebensaufgabe der Seele übereinstimmt, auch die Sprache seiner Seele ist, steckt in diesem Satz wohl nichts wirklich Greifbares, was uns das eigentliche Wesen der Musik erklärt. Dennoch kann die Kürze und Ausschließlichkeit dieser Aussage uns zum Erinnern anregen, so­fern wir gewillt sind, wirklich in uns hinein zuhören:

Gleicht es nicht einem Wunder, dass, rein physikalisch betrachtet, durch das Zu­sammenwirken und die Abfolge unterschiedlicher Schallschwingungen etwas er­klingt, was jeder Mensch verstehen kann, ohne dass er, wie es bei dem gespro­chenen Wort der Fall ist, die Bedeutung der einzelnen Begriffe zuvor erlernen muss? Es scheint eine Sprache zu sein, die ohne Begriffe arbeitet, die uns aber dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – ohne Umwege gleich verständlich ist. Sie berührt etwas in uns, was jenseits aller Worte liegt und vielleicht ist sie deshalb unsere urei­genste Sprache.

Wenn wir täglich, stündlich, oftmals sogar ununterbrochen irgendwelche Musik konsumieren, wird uns dieses Wunder natürlich nicht mehr bewusst sein können. Musik wird hier zu einer Droge, der wir vollkommen ungeschützt und permanent ausgesetzt sind. Unser Persönlichkeitsrecht auf Selbstbestimmung wird nach meinem Empfinden nirgends so gründlich missbraucht, denn durch Musik lassen sich ganze Völker vollkommen freiwillig programmieren. Wir hören scheinbar nur kostenlos Musik und werden jedoch in unserer gesamten Energiestruktur grundlegend verändert.

Diese Behauptung mag übertrieben klingen, doch sie wird im Laufe des Buches hoffentlich untermauert werden. Musik ist Schwingung und Schwingung ist Energie. In Verbindung mit der Lichtenergie gehört sie zu den Grundbausteinen des gesamten Universums zu dessen Bestandteil wir uns ohne Zweifel zählen dürfen. Jeder einzelne unserer Zellbausteine gleicht einem kleinen Universum – wie innen so außen -, welches in sich schwingt und klingt. Durch die wunderbare Energieleitfähigkeit der Töne, die wir als Resonanz bezeichnen, findet in einem permanent schwingenden System wie dem unseres Körpers, ein augenblicklicher Informationsaustausch durch innere und auch äußere Licht- und Schallquellen statt. Immer mehr Menschen müssen sich heute Gedanken darüber machen was sie essen. Doch wann endlich werden wir uns Gedanken darüber machen was wir hören?

– Irina Jacobson: aus „Klavierspielen mit der Seele“ 

Der Komponistin Lili Boulanger wurde bereits ein spezieller Blogbeitrag gewidmet, der unter folgendem Link aufgerufen werden kann.

Der originale französische Hymnentext von Casimir Delavigne findet sich hier: 

Du soleil qui renaît benissons la puissance.
Avec tout l'univers célébrons son retour.
Couronné de splendeur, il se lève, il s'élance.
Le réveil de la terre est un hymne d'amour.
Sept coursiers qu'en partant le Dieu contient à peine,
Enflamment l'horizon de leur brûlante halein.

O soleil fécond, tu parais!
Avec ses champs en fleurs, ses monts, ses bois épais,
La vaste mer de tes feux embrasée,
L'univers plus jeune et plus frais,
Des vapeurs de matin sont brillants de rosée.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert