Allein der freie Wille wird zur Freiheit führen

Die größte Errungenschaft unserer westlichen Kultur ist meinem Empfinden nach, dass sie uns erlaubt, unserer inneren Wahrheit gemäß zu leben. Dass viele Menschen diese Möglichkeit nicht wahrnehmen, steht außer Frage. Das mag vor allem daran liegen, dass niemand von sich aus die Konsequenzen eines solchen Lebenskonzeptes im Voraus überschauen kann, obwohl diese auch vollkommen offen bleiben, wenn man sich an den gewohnten, uns sicher scheinenden Maximen orientiert. Jedoch haben wir in jedem Fall die Freiheit, uns in diesem Sinn zu entscheiden.

– Irina Jacobson aus „Amor vincit omnia – die Liebe besiegt alles“

Freiheit

Eines der wundervollen Geschenke des Lebens an uns ist unsere Freiheit. Wir sind – man wird es schwer glauben – in jeder Beziehung frei. Weil diese Behauptung beinahe allen Menschen wie ein Hohn vorkommen sollte, braucht es hier für unseren in Komplexität verhafteten Geist schlüssige Argumente. Dass wir uns allein durch unseren Glauben auch unsere angestammte Freiheit nehmen, kann unschwer unter dem ungeschönten Blick auf eine alle Werte auf den Kopf stellende Welt erkannt werden. Gerade weil wir an so viele uns zwingend notwendig erscheinenden Handlungen und Verbindlichkeiten glauben, ist es möglich, zu durchschauen, dass die Welt als solche eine Welt unserer sehr persönlichen Projektionen ist. Wenn wir uns den Katalog aller notwendiger Pflichten in unserem Leben, Position für Position, einmal anschauen und dann überlegen, ob auch nur irgendeine davon unser momentanes Leben bedroht, indem wir ihr nicht nachkommen, werden wir selbstverständlich sagen, dass dies nicht der Fall sei. Wären wir tatsächlich in der Lage, jetzt zu sagen: „Ich brauche all das nicht mehr!“ und blieben dort sitzen, wo wir sind und würden unsere Freiheit annehmen, die das Leben uns geschenkt hat, wären wir frei. Doch leider bestärken wir unseren Glauben in all die Notwendigkeiten unseres Lebens tagtäglich immer wieder, so dass es uns unmöglich scheint, alle selbstauferlegten und, ehrlich betrachtet, meist ungeliebten Zwänge freudig loszulassen. Ja, was wird dann aus mir, wer zahlt meine Miete, was sagen die Nachbarn, wie soll ich das meinem Chef erklären und überdies die Versicherungsraten bezahlen, … und, und, und??? Was würde passieren, wenn wir unverhofft stürben?…: Ohne Frage würde das Leben einfach weitergehen. Doch auch wenn wir in diesem Leben einem überwiegend notgedrungenen Pflichtenkatalog folgen, in welchen wir unseren Glauben investiert haben, sind wir – das sollten wir anerkennen – frei. Wir sind frei, zu glauben, was immer wir wollen und dementsprechend zu handeln. Wir können beginnen, aus dieser, unserer Freiheit heraus zu hinterfragen, ob uns all das, was wir glauben, tun zu müssen, in Wirklichkeit nicht alle Freiheit nimmt. Denn letztlich ist allein unser innerer Frieden das, was wir wirklich brauchen. Wir können uns nicht vorstellen, dass unser Leben noch funktionieren würde, wenn wir über Nacht allen hochgehaltenen Pflichten entsagen. Auch darum gibt es die Zeit. Wir haben alle Zeit der Welt, um unseren inneren Frieden zu finden, der gleichzeitig auch unsere wirkliche Freiheit ist. Glauben wir an eine Welt, die uns ausnutzt, werden wir es hautnah erleben, weil wir so frei sind, dem Mangel Glauben zu schenken. Brauchen wir eine perfekt aufgeräumte und saubere Wohnung, wird sie uns unser Leben lang beschäftigen und uns glauben lassen, dass in ihr unser Frieden weilt. Fühlen wir uns nur durch ein entsprechendes Outfit wertvoll, müssen wir darein unsere wertvolle Zeit investieren. Gehört es sich für uns, dazuzugehören, werden wir unsere Freiheit nutzen, uns die unserem Stand angemessenen Freunde zu suchen …

Die gute Nachricht ist, dass all das keinerlei Bedeutung für unser wahres Sein hat, und die schlechte ist die Tatsache, dass wir mit all dem „nur“ unsere Zeit vergeuden. Zeit, die uns gegeben ist, um tatsächlich frei und in Frieden zu sein, denn all unsere Pflichten und Notwendigkeiten waren der Versuch, zu beweisen, dass es etwas Wertvolleres als die Liebe geben könnte, und wie sollte dieser Versuch am Ende nicht kläglich scheitern?

Niemand, der wahrhaft frei sein möchte, wird gezwungen, alles auf einmal hinzuschmeißen, quasi auszusteigen. Es würde uns, nunmehr all unseren angstbesetzten Glaubenssätzen gegenübergestellt, einfach überfordern. Doch Schritt für Schritt, von der Zeit liebevoll gehalten, kann es gelingen, auch in unserer Welt des Geldes und all der anderen selbstherrlichen Tribute fordernden Götzen frei zu sein. Wir besitzen – das sollte nicht oft genug unterstrichen und wiederholt sein – ALLE Macht der Welt, wenn wir uns mit dem Geist verbinden, der tatsächlich unsere Freiheit will. Niemand außer uns selbst hat irgendeine Macht über uns, vorausgesetzt, wir glauben daran. Wenn, ja, wenn dieser Glaube endlich auf der Wahrheit beruht, wird er uns in ganz anderer Weise führen und helfen, als unser alter Glaube an die Welt der Unmöglichkeiten. Bei Gott sind nicht nur alle Dinge möglich, sondern MIT ihm ist nichts unmöglich. Dort, in unserem Ursprung, liegt unsere wahre Freiheit. Am Ende sollte es nur darum schwer sein, sich sogar in diesem Moment an ihre Größe zu erinnern, weil wir der uns innewohnenden Macht nicht trauen.

Das Ego meint: „Nun, wenn alles Illusion ist und ich angeblich frei bin, so kann ich tun, was immer mir einfällt, ohne für die Folgen verantwortlich gemacht zu werden.“ Das ist natürlich dummes Kindergeschwätz. In dem Augenblick, wo wir den Bogen überspannen und lieblos auf unsere angebliche Freiheit pochen, sind wir nicht der Freiheit, sondern dem Irrsinn gefolgt.

Weil dem Leben daran gelegen ist, dass wir endlich lebendig werden, schenkt es uns in jedem Fall Gelegenheiten, seine Geschenke anzunehmen und zu lernen, was es bedeutet, frei zu sein. Ganz offensichtlich ist aus dem Blick unserer Freiheit die Zeit von Corona als eine solche Chance zu verstehen.

Sind wir bereit, uns vom Leben eine Auszeit zu nehmen, wenn deutliche Alarmsignale in unserem Leben rufen: STOP? Oder gehen wir zum Arzt, fordern unsere Tablettenration, regen uns dazu über die damit zwangsläufig verbundenen Nebenwirkungen auf und machen weiter wie bisher? Wir essen ungesund all die billig und lieblos erzeugten Nahrungsmittel und nehmen neben Magentabletten auch noch Blutdrucksenker ein, lassen uns an der Galle operieren und machen weiter wie gehabt. Wir führen ein Leben voller Stress, lassen uns vorsorglich impfen und glauben, vielleicht obendrein mit starken Schlaftabletten oder Alkohol unseren erholsamen Schlaf zu finden. Was, glauben wir, soll das Leben denn noch für uns tun, um uns daran zu erinnern, dass wir frei sind? Wir wollen weitermachen wie bisher UND frei sein. Wie sollte das wohl funktionieren?

Stellen wir darum klar: Wir sind frei, jedoch unser auf irrealen Ängsten aufbauendes Glaubenssystem bewirkt, das allein wir uns dieses Lebensanrecht verbieten. Somit haben wir auch in diesem Fall in vollkommener Freiheit gehandelt. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Es gibt keine fremde Macht außerhalb von uns. Allein darum wäre es überaus weise, der realen Macht des Lebens zu folgen, als jener gewohnten, besonderen, die das Drehbuch einer unmöglichen Welt voller sinnloser Verbindlichkeiten schrieb.

(Auszug aus Irina Jacobson: „Das Drehbuch deines Lebens“)

Es gibt niemanden, der nicht das Gefühl hätte, er sei in irgendeiner Weise gefangen. Wenn das die Folge seines eigenen freien Willens ist, dann muss er seinen Willen als unfrei ansehen, sonst wäre der Zirkelschluss in dieser Lage ziemlich offensichtlich. Der freie Wille muss zur Freiheit führen. Urteilen nimmt immer gefangen, weil es Segmente der Wirklichkeit nach der instabilen Maßgabe von Wünschen trennt. Wünsche sind keine Tatsachen. Wünschen besagt, dass Wollen nicht ausreicht.

– EKIW: 3; VI: 11. 1-5

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