Die Auferstehungsinfonie von Gustav Mahler – hohe Seelenbotschaft für diese Zeit

Die Uraufführung der gesamten Sinfonie fand am 13. Dezember 1895 in Berlin unter der Leitung Gustav Mahlers (1860-1911) statt. Die ersten drei Sätze wurden bereits am 4. März 1895 von Mahler aufgeführt. Die Uraufführung der 2. Sinfonie fand somit chronologisch erst nach derjenigen der 3. Sinfonie statt. Die Kritiken nach der Aufführung waren größtenteils verhalten, teilweise sogar spöttisch. Die Allgemeine Musik-Zeitung sprach in harten Worten von einem „hohlen Nichts“ und „brutaler Geschmacklosigkeit“. Das Resumé von „Lärm, Skandal, Unfug, Umsturz“ zeigt die Überforderung des Publikums mit Mahlers radikal neuem Werk. Mahler beschreibt in diesem Zusammenhang auch die Reaktion Hans von Bülows auf den ersten Satz: „Als ich ihm meine Totenfeier vorspielte, geriet er in nervöses Entsetzen und erklärte, dass Tristan gegen mein Stück eine Haydnsche Symphonie ist, und gebärdete sich wie ein Verrückter.“ Einige aufgeschlossener gesinnte Zeitgenossen wie Anton Webern äußerten sich jedoch bewundernd über Mahlers Sinfonie. Er bezeichnete Mahler nach diesem Werk als „tiefinnerlichen Komponisten“. Der konservative Johannes Brahms bezeichnete Mahler aufgrund der 2. Sinfonie als „König der Revolutionäre“. Angesichts der weiteren Entwicklung der Musikgeschichte und späterer mahlerscher Sinfonien wirkt die 2. Sinfonie in klanglicher Hinsicht heute kaum noch revolutionär. Ihre Dimensionen gelten hingegen nach wie vor als ungewöhnlich groß. Das Werk gehört zu den beliebtesten Sinfonien Mahlers und ist häufig in den Programmen der großen Orchester zu hören. Ausgehend von einer ausgedehnten Totenfeier endet die Sinfonie in einem triumphalen Auferstehungssatz. Hier vertont Mahler das Gedicht „Auferstehung“ von Friedrich Gottlieb Klopstock. Der Satz ist mit einer Spieldauer von 38 Minuten der längste Sinfoniesatz Mahlers. Auf Grund des dritten und vierten Satzes gehört sie zu den „Wunderhorn-Sinfonien“. Sie vertont Gedichte aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn von Clemens Brentano und Achim von Arnim. Die Vorlage des instrumental gehaltenen dritten Satzes ist das Gedicht „Des Antonius von Padua Fischpredigt“. Der von einer Altstimme gesungene vierte Satz stellt das Lied „Urlicht“ aus der Sammlung dar. In ihrem Gesamtkonzept vermischt die zweite Sinfonie Gedanken- und Traditionsstränge unterschiedlichster Herkunft, weshalb sie bisweilen als „synkretistische Sinfonie“ bezeichnet wird.

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Die „Auferstehungssinfonie“ in der großartigen und umjubelten Aufführung durch die Münchner Philharmoniker unter Leitung von Valery Gergiev, zu dessen symbolträchtigen Antrittskonzert 2015 als neuer Chefdirigent des traditionsreichen Orchesters. Hier mit dem Philharmonischen Chor und  Anne Schwanewilms (Sopran) und Olga Borodina (Mezzosopran) als Solistinnen. BW: 550.000000

1:13  I.   Allegro maestoso [Totenfeier].         - BW: 456.000000
22:53 II.  Andante moderato.                      - BW: 520.000000
33:15 III. Scherzo                                - BW: 512.000000
44:02 IV.  Urlicht. Sehr feierlich, aber schlicht.- BW: 593.000000
49:14 V.   Im Tempo des Scherzos.                 - BW: 611.000000

Der dritte Satz der Sinfonie ist mit dem Lied Des Antonius von Padua Fischpredigt aus den Wunderhorn-Liedern verknüpft, verlässt den Rahmen des rein Instrumentalen jedoch nicht. Der Satz entstand nach dem Klavierlied, welches Mahler als Vorlage diente. Die Absurdität und Hohlheit damaliger und  auch heutiger Prediktkultur könnte nicht besser zum klingenden Ausdruck gebracht werden, auch wenn die unten zitierten Worte nie gesungen/gesprochen werden.

Antonius zur Predigt
Die Kirche find’t ledig!
Er geht zu den Flüssen
und predigt den Fischen!
Sie schlag’n mit den Schwänzen!
Im Sonnenschein glänzen!
Im Sonnenschein, Sonnenschein glänzen,
sie glänzen, sie glänzen, glänzen!

Die Karpfen mit Rogen
seynd all’ hierher zogen,
hab’n d’Mäuler aufrissen,
sich Zuhörn’s beflissen!
Kein Predigt niemalen
den Fischen so g’fallen!

Spitzgoschete Hechte,
die immerzu fechten,
sind eilend herschwommen,
zu hören den Frommen!

Auch jene Phantasten,
die immerzu fasten:
die Stockfisch ich meine,
zur Predigt erscheinen.
Kein Predigt niemalen
den Stockfisch so g’fallen.

Gut Aale und Hausen,
die vornehme schmausen,
die selbst sich bequemen,
die Predigt vernehmen!

Auch Krebse, Schildkroten,
sonst langsame Boten,
steigen eilig vom Grund,
zu hören diesen Mund!
Kein Predigt niemalen
den Krebsen so g’fallen!

Fisch große, Fisch’ kleine,
vornehm’ und gemeine,
erheben die Köpfe
wie verständ’ge Geschöpfe!
Auf Gottes Begehren
die Predigt anhören!

Die Predigt geendet,
ein Jeder sich wendet.
Die Hechte bleiben Diebe,
die Aale viel lieben;
die Predigt hat g’fallen.
sie bleiben wie allen!

Die Krebs’ geh’n zurücke,
die Stockfisch’ bleib’n dicke,
die Karpfen viel fressen,
die Predigt vergessen, vergessen!
Die Predigt hat g’fallen
sie bleiben wie Allen, die Predigt hat g’fallen, hat g’fallen!

Der vierte Satz basiert ebenfalls auf einem Gedicht der Sammlung Des Knaben Wunderhorn. Hier verwendet Mahler das Gedicht „Urlicht“ und fügt erstmals in seinem sinfonischen Schaffen die menschliche Stimme zum Aufführungsapparat hinzu. Dieses Orchesterlied ist für Altsolo konzipiert. Das Lied „Urlicht“ in Mahlers Liederzyklus Des Knaben Wunderhorn unterscheidet sich kaum von diesem Sinfoniesatz. Laut Mahlers Freundin Natalie Bauer-Lechner sagte Mahler über diesen Satz: „Das ‚Urlicht‘ ist das Fragen und Ringen der Seele um Gott und um die eigene göttliche Existenz über dieses Leben hinaus.“ Der kurze Satz nimmt eine Schlüsselstellung in der Konzeption des Werkes ein. Er beantwortet die Fragen des vorangegangenen Scherzos und leitet das ebenfalls vokale Finale, die Sinfoniekantate, ein.

O Röschen rot,
Der Mensch liegt in größter Not,
Der Mensch liegt in größter Pein,
Je lieber möcht' ich im Himmel sein.
Da kam ich auf einem breiten Weg,
Da kam ein Engelein und wollt' mich abweisen.
Ach nein, ich ließ mich nicht abweisen!
Ich bin von Gott und will wieder zu Gott,
Der liebe Gott wird mir ein Lichtchen geben,
Wird leuchten mir bis [in] das ewig selig' Leben!

Der Text des Finalsatzes basiert auf dem Gedicht Die Auferstehung von Friedrich Gottlieb Klopstock. Mahler vertonte die ersten beiden Strophen des klopstockschen Textes, die er durch eigene Hinzudichtung ergänzte und veränderte, um den individuellen Ausdruck zu steigern, siehe Text:

Auferstehn, ja, auferstehn wirst du, 
mein Staub, nach kurzer Ruh.  
Unsterblich's Leben       
wird, der dich schuf, dir geben!                  
[Halleluja!]1   

[Wieder aufzublühn werd ich gesät.  
Der Herr der Ernte geht  
Und sammelt Garben, 
Uns ein, uns ein, die starben.    
Halleluja!    
Alt solo:
 O glaube, mein Herz, o glaube:
 Es geht dir nichts verloren!
 Dein ist, ja dein, was du gesehnt,
 Dein, was du geliebt, was du gestritten!

Sopran solo:
 O glaube: Du wardst nicht umsonst geboren!
 Hast nicht umsonst gelebt, gelitten!

Chor und Alt:
 Was entstanden ist, das muss vergehen!
 Was vergangen, auferstehen!
 Hör auf zu beben!
 Bereite dich zu leben!

Sopran und Alt solo:
 O Schmerz! Du Alldurchdringer!
 Dir bin ich entrungen.
 O Tod! Du Allbezwinger!
 Nun bist du bezwungen!
 Mit Flügeln, die ich mir errungen,
 In heißem Liebesstreben
 Werd ich entschweben
 Zum Licht, zu dem kein Aug' gedrungen!

Chor:
 Mit Flügeln, die ich mir errungen,
 Werd ich entschweben!
 Sterben werd' ich, um zu leben!
 Aufersteh'n, ja aufersteh'n wirst du,
 Mein Herz, in einem Nu!
 Was du geschlagen,
 Zu Gott wird es dich tragen!

Das Werk folgt, wie die meisten Sinfonien Mahlers, einem inhaltlichen Konzept. Wie in den meisten Sinfonien Mahlers gilt das Motto Per aspera ad astra (Durch das Raue zu den Sternen). Ausgehend von einer ausgedehnten Totenfeier endet die Sinfonie in einem triumphalen Auferstehungssatz. Hier vertont Mahler das Gedicht „Auferstehung“ von Friedrich Gottlieb Klopstock. Der Satz ist mit einer Spieldauer von 38 Minuten der längste Sinfoniesatz Mahlers.

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