Die christliche Osterbotschaft – ein Mythos

Im Grunde genommen dienen alle Mythen innerhalb unseres Drehbuches einzig dem „Beweis“, dass hier alles seine Richtigkeit hat. Sie sind nichts als ein weiterer Versuch unseren Meineid-Prozess, gegen Gott gewinnen zu wollen, weil sie uns von der Form her zwar verschieden, doch inhaltlich am Ende stets von einem strafenden und unberechenbaren Gott berichten, der ebensolche Geschöpfe erschaffen hat. Wie anders sollte man einen Gott bezeichnen, dessen angebliche Schöpfung dazu dient, allein über schier endloses Leid irgendwann in sein liebendes Reich heimkommen zu dürfen?

Irina Jacobson: „Das Drehbuch deines Lebens“ , S. 100

Ein Mythos von der Welt

(Zitat aus dem Buch „Das Drehbuch deines Lebens“ von I. Jacobson)

Die Entstehung unserer Welt ist mit unzähligen Mythen behaftet. So viele Völker es gibt, besitzen sie diesbezüglich ihre besonderen, über unzähligen Generationen weitergereichten Zeugnisse für das Unerklärliche. Heute gibt es sicher nicht viele Menschen, die einem Mythos noch Glauben schenken, und die meisten von uns sind eher geneigt, sie in die Kategorie der Märchen abzulegen. Dennoch sollten wir bedenken, dass sich unser aller Drehbuch beliebter Maßen auf einen solchen beruft – vor allem, wenn er, der Mythos, sich gut in ein von uns gewünschtes Bild einfügt. Ein Mythos ist etwas, an das wir gern glauben wollen, um uns gewissermaßen wie Kinder vor der Wahrheit zu schützen. Wir blicken dann in Ehrfurcht auf das „hohe“ Wissen der alten Kulturen und glauben, in ihm Wegweiser für unsere Zukunft zu finden. Doch überlegen wir einmal ganz nüchtern, wie sie alle entstanden sind. Bedenken wir auch: das Ereignis, von dem wir sprechen, fand – nach Angaben der Wissenschaft – vor beinahe 14 Milliarden Jahren statt. Es ist also ein uns unvorstellbar weit entfernt liegender Moment, von dem alle großen Mythen der Welt berichten. Es wäre in etwa so, wie man sich eine „stille Post“ über diesen Zeitraum hinweg vorstellen kann – ein Spiel, bei dem alle Teilnehmer sich in diesem Fall nicht nur einen längeren Satz, sondern eine unfassbare Geschichte immer wieder ins Ohr flüstern, an deren Ende ein vollkommen verworrenes, symbolhaftes Geschehen steht, welches, schwarz auf weiß gedruckt, niemand mehr in Frage zu stellen wagt. Darum steht in der christlichen Mythologie im Paradies ein Apfelbaum, von dem man niemals eine Frucht essen durfte. Schwerlich erkennt man hier noch irgendeinen Zusammenhang zu unserem Versuch, Gottes Macht noch zu übertrumpfen und der offensichtlichen Tatsache, dass dies niemals möglich sein würde. Dennoch spielt genau darauf der berühmte „Baum der Erkenntnis“ an. In Wahrheit haben wir uns leichtfertig und wahnhaft selbst betrogen, was nie verboten, allerdings überaus unklug war. Hier passt die Geschichte von Luzifer, dem gefallenen Engel, schon besser, jedoch wurde aus ihm der Teufel, mit dem sich niemand identifizieren möchte, sondern seine große Macht außerhalb von sich sieht.

Immer bleibt es das Konzept der Trennung, aus dessen Denksystem heraus das Unvermögen entspringt, sich überhaupt absolute Vollkommenheit und Ewigkeit als real existierendes Leben vorstellen zu können. Es übersteigt alles, was wir unter „Leben“ verstehen, und erscheint uns daher so, als käme dieses mögliche Sein einem traumlosen Schlaf gleich. Darum beruhen alle großen Mythen auf der Annahme, dass ein Universum der sich bildenden und am Ende verglühenden Galaxien, sein ewiges Werden und Vergehen, die trennende und vergängliche Materie tatsächlich das wahre Leben ausmachten. Wir werden auch innerhalb dieses Buches niemals mit Worten ausdrücken können, was Leben bedeutet, weil jedes einzelne Wort bereits Symbol der Trennung ist, und wie wollte man auf diese Weise das Unsagbare, Ewige, Heilige ausdrücken?

Allein mit der Vorstellung von Ewigkeit haben wir unüberwindliche Schwierigkeiten. So kommt es, dass alle Mythen stets von einem „Anfang“ berichten. Doch unter den Gegebenheiten der Ewigkeit wird es wohl nie einen Anfang gegeben haben. Die Ewigkeit ist Jetzt und Immer! Zeit ist nur Illusion. Und auch, wenn wir den sogenannten „Urknall“ vor beinahe 14 Milliarden Jahren als unumstößlichen Beweis anführen: in Wahrheit entspricht es immer genau „jetzt“ unserem Wunsch, getrennt von Gott zu sein. Genauso gut könnten wir „jetzt“ anders entscheiden, was bedeutet, dass jeder, sei es auch ein noch so außergewöhnlich bedeutender Moment eigentlich gerade „jetzt“ stattfindet.

Als ältester Mythos der Menschheit gilt heute das erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckte „Buch des Dzyan“. In sieben Stanzen wird hier die Schöpfungsgeschichte besungen. Gleich innerhalb der ersten Strophe lesen wir: „Dunkelheit allein erfüllte das unendliche All, denn Vater, Mutter und Sohn waren wieder einmal Eins, und der Sohn war noch nicht erwacht für das neue Rad und seine Wanderung auf demselben.“

In unserer Vorstellungswelt gibt es somit das „Nichts“, welches nur Dunkelheit sein kann. Doch wie wäre es, wenn wir stattdessen von ewigem Licht ausgingen, welches „Alles“ in sich birgt? Wenn Gott alles ist, was es gibt, wenn in ihm keinerlei Mangel ist …, wie könnte dann Dunkelheit in ihm sein, die doch nur das Fehlen von Licht aufzeigt? Weder Leere noch Mangel noch Dunkelheit sind existierende Tatsachen, sondern allein Vorstellungen eines an Mangel glaubenden machtvollen Geistes, der sich dadurch selbst fragmentiert hat. Im Laufe dieser Reise werden wir noch öfter darauf zurückkommen müssen, weil es so unvorstellbar unglaubwürdig für uns ist, Schöpfer der Dunkelheit, des Mangels und vergänglicher Materie und darum auch verantwortlich zu sein.

Auch unsere christliche Kultur beruht nur auf einem mythischen Glauben. 32 Prozent der Weltbevölkerung glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat, dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben wäre und allein sein teures Blut uns vor Gott endlich reingewaschen habe. Wie es kommt, dass Gott somit die Charakterzüge unseres Ego besitzen muss und beinahe alle Christen an diese Geschichte glauben, will uns die Bibel mit den angeblichen Überlieferungen seiner Jünger anhand der Evangelien beweisen.

Ein kleiner Hinweis auf die Unwirklichkeit allen Geschehens um uns herum findet sich jedoch im ersten Buch Mose, 2:21, wo es heißt: „Da ließ Gott, der Herr, Adam in einen tiefen Schlaf versinken.“ Im Schlaf wurde Adam eine Rippe entnommen und Eva, seine Gefährtin, daraus gemacht, sprich: Adam träumte, dass er nun ein Gegenüber besaß, denn nirgendwo in der Bibel steht etwas darüber, dass Adam auch wieder erwachte. Hier können wir den Beginn der wahnhaften Spaltung unseres Geistes in Myraden von Wesen und Dingen erahnen und tatsächlich die materielle Welt als einen Traum verstehen lernen. Lesen wir hier noch einmal unser Zitat aus dem Buch Dzyan („Dunkelheit allein erfüllte das unendliche All, denn Vater, Mutter und Sohn waren wieder einmal Eins, und der Sohn war noch nicht erwacht für das neue Rad und seine Wanderung auf demselben.“), werden wir feststellen, dass hier alle Wahrheit auf den Kopf gestellt wurde, indem unser chaotisches Traumerleben sinnentstellend als „erwachen“ bezeichnet wird.

Im Grunde genommen dienen alle Mythen innerhalb unseres Drehbuches einzig dem „Beweis“, dass hier alles seine Richtigkeit hat. Sie sind nichts als ein weiterer Versuch unseren Meineid-Prozess, gegen Gott gewinnen zu wollen, weil sie uns von der Form her zwar verschieden, doch inhaltlich am Ende stets von einem strafenden und unberechenbaren Gott berichten, der ebensolche Geschöpfe erschaffen hat. Wie anders sollte man einen Gott bezeichnen, dessen angebliche Schöpfung dazu dient, allein über schier endloses Leid irgendwann in sein liebendes Reich heimkommen zu dürfen?

Diesem alten Bedürfnis entsprechend wurde der Kreuzigung Jesu in unserer Welt ein vollkommen anderer Sinn angedichtet, als er ursprünglich hatte, zudem Jesus unverfroren Worte in den Mund gelegt wurden, die jeden liebenden Gott verhöhnen würden. Worte, die unsere Schuld noch vergrößern mussten, wenn sie zum Ausdruck brachten, dass der „eingeborene“ Sohn Gottes allein für unsere Sünden sein Blut und sein Leben geben würde. Worte, die eine hohe Lehre von Grund auf entstellten und sie damit zu einem weiteren, jeglichen Sinn entbehrenden Mythos verkommen lies. Die Kirche sowie sehr vieles in der Bibel dienen innerhalb unseres verrückten Drehbuches in gekonnter Inszenierung seinem wahnsinnigen Macher, der uns dazu verführt, unter Berufung auf das „Wort Gottes“ allen Wahnsinn zu glauben. Ein derart unreflektierter und widerspruchsloser Glaube, der uns den jenseitigen Himmel verheißt, ist in Wahrheit Garantie, der Hölle niemals wieder zu entkommen. Jesus wurde durch die Angst des Ego vor der Wahrheit gekreuzigt und es war niemals Gottes Wille, ihn grausam zu opfern, weil das Leben sich ewig liebend, in Glück und Frieden ausdehnen will. Dessen ungeachtet bleibt jedes einzelne Blutopfer auf unserer Erde allein dem irrsinnigen Wunsch unseres Ego, uns vernichten zu wollen, geschuldet. Die Auferstehung allerdings war der Wille Gottes und des Lebens und der gleichzeitige Beweis für jeden, der erkennen will, dass durch diesen hohen Willen alles in unserem Drehbuch der Liebe zurückerstattet werden kann. Es war der Wille, aufzuzeigen, dass es keinen Tod gibt und jedes Opfer in Wahrheit immer sinnlos bleiben wird, weil es unmöglich ist, das Leben zu zerstören. Und auch heute kann die Auferstehung für uns zum wichtigsten Grund werden, allein der Liebe zu vertrauen.

Ein Mythos hat viele Gesichter. Man kann es einen Mythos nennen, dass allein durch die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche ein Mensch zum Christen wird. Die Verwirrungsstrategie unseres Ego hat, wie angedeutet, die Kirchen der Welt ebenso fest im Griff wie alles in ihr. Es bedeutet sicher nicht, dass es unter ihren Mitgliedern keinen einzigen Christen geben könne, jedoch ist ein Christ ein Mensch, der dem einzigen Gebot Gottes, der Liebe, bedingungslos Folge leistet. Und wer von uns kann von sich behaupten, nur zu lieben? Gerade in Glaubensfragen sind sich viele Menschen sehr sicher, dem einzig „wahren“ Glauben anzugehören und somit jeden anderen Glauben als unwert anzusehen. Mit Vernunft betrachtet, sollte jedem Menschen klar sein, dass Gott keinerlei Religion angehören kann, wenn er die Quelle allen Lebens ist. Wahrer Glaube bedarf keiner Institutionen, um sich seiner sicher zu sein. Er kommt aus einem liebenden und demutsvollen Herzen, weil er bereit ist, die Größe der Liebe zu erfahren, die er als einzige Macht anerkennt. Weder Weihrauch noch Gebetsformeln, die Taufe, kniende Bitt-Stellung, weder Rituale noch Opfer können bewirken, dass wir der Liebe unerschrocken folgen. Allein unsere Entscheidung für unsere innere liebende Stimme, unser fest entschlossenes Lauschen auf ihren ewigen Klang, den wir nur in innerer Kontemplation und niemals in äußerer Geschäftigkeit erfahren, muss uns Weisung sein. Niemand kann uns sagen, was wir tun sollten, als diese, unsere ewige Stimme in uns. Unser Drehbuch hat uns eine einzigartige Rolle in dieser Beziehung überantwortet, der wir nicht ausweichen können, außer, wie beschrieben, in der Wahl des Zeitpunktes.

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