Wer nur den lieben Gott lässt walten – Georg Neumarks Botschaft an die Welt

Im Herzen meines Wesens, Vater, bin ich eins mit Dir und erkenne Dich an als das eine Wesen, den Vater aller. Du bist Geist, allgegenwärtig, allmächtig, allwissend. Du bist Weisheit, Liebe, und Wahrheit, die Macht und Substanz und Intelligenz, aus welcher und durch welche alle Dinge erschaffen sind. Du bist das Leben meines Geistes, die Substanz meiner Seele, die Intelligenz meines Denkens, und ich will dich offenbaren in meinem Körper und in meinen Werken. Du bist der Anfang und das Ende, alles Gute, was ich jemals ausdrücken kann.

– Baird T. Spalding: „Leben und Lehren der Meister im Fernen Osten“ Bd. 1-3

Georg Neumarks (*1621 in Langensalza -†1681 in Weimar) Lebensgeschichte hängt eng mit einem der bekanntesten geistlichen Choräle zusammen, die wir noch heute kennen. Es kursieren die verschiedensten Berichte über seine Entstehungsgeschichte, deren Inhalt uns daran erinnern kann, dass wir selbst niemals wissen, wozu ein Ereignis in unserem Leben dient und dass wir darum Gott vertrauen dürfen und sollen, dass er uns auf all unseren Wegen führt. Wir können davon ausgehen, dass eines der auslösenden Ereignisse der Raubüberfall 1641 während Neumarks Reise nach Königsberg war, wo er an der dortigen Universität Jura studierte. Dadurch mittellos geworden, konnte/musste er in Kiel als Hauslehrer seinen Lebensunterhalt verdienen und sein Studium erst 1643 fortsetzen, wobei er sich schließlich immer mehr der Musik zuwandte. Die 200 Jahre später 1859 in Weimar – Neumark war dort bis zu seinem Tod 1681 ab 1652 zum herzoglichen Bibliothekar bestellt – uraufgeführte Oper „Georg Neumark und die Gambe“ lässt erahnen, dass Neumark in der kleinen Thüringer Stadt Weimar einen beachtlichen Berühmtheitsgrad erlangt hatte. In der Oper von Julius Rietz (1812-1877) wird die Entstehung des berühmten Chorales „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ mit dem Notverkauf seiner geliebten Gambe in Beziehung gebracht. Dass beides, die Musik und Worte des Chorales von Georg Neumark gedichtet und komponiert wurden, lässt den Zuhörer einen künstlerische hochbegabten Autor erahnen. Und wie aller große Kunst die Zeitlosigkeit eigen ist, so ist es in diesem Fall auch bei diesem wundervoll trostreichen Choral. Gerade heute werden wir früher oder später daran erinnert, uns dem Göttlichen in uns anzuvertrauen, um sicher und in Frieden damit zu sein, dass wir uns –  trotz aller augenscheinlicher Wirrnisse – auf unserem vorbestimmten Weg befinden.

1) Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

2) Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.

3) Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt,
wie unser's Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt;
Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

4) Er kennt die rechten Freudenstunden, er weiß wohl, wann es nützlich sei;
wenn er uns nur hat treu erfunden und merket keine Heuchelei,
so kommt Gott, eh wir's uns versehn, und lässet uns viel Guts geschehn.

5) Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist
und dass ihm der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist.
Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel.

6) Es sind ja Gott sehr leichte Sachen und ist dem Höchsten alles gleich:
Den Reichen klein und arm zu machen, den Armen aber groß und reich.
Gott ist der rechte Wundermann, der bald erhöhn, bald stürzen kann.

7) Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Hier ein Ausschnitt einer sehr  gelungene Interpretation des „Vocal Concert Dresden“, welches man mit den Anbietern der Weiterleitung am Videoende vollständig anhören kann.

Eine modernere Interpretation.

Wer den Choral selbst singen möchte, findet hier die Orgelbegleitung und den eingeblendeten Text.

Die Schwingungen in der Luft sind der Atem Gottes, der zur menschlichen Seele spricht. Musik ist die Sprache Gottes. Wir Musiker sind Gott so nah wie der Mensch. Wir hören seine Stimme, wir lesen seine Lippen, wir gebären die Kinder Gottes, die sein Lob singen. Das sind Musiker.

–  Ludwig van Beethoven

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